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Souverän beherrschtSouverän beherrscht |
Donnernder Applaus gleich nach dem ersten Stück, stehende Ovationen am Schluss für einen 16-Jährigen, der sich zwei Stunden lang mit der neuen Orgel in der Frankenthaler Zwölf-Apostel-Kirche "beschäftigte", sie vom Barockzeitalter in die deutsche und französische Romantik entführte und dabei Höchstleistungen produzierte, für die man nur einhellige Begeisterung empfinden konnte.
Felix Hell, der am Dienstagabend im restlos überfüllten Gotteshaus eine neue Orgelkonzertreihe eröffnete, ist ein Phänomen: halb Kind noch und doch bereits ein faszinierender Meister auf der "Königin der Instrumente", mit einem bewussten Kontrastierungswillen, der klare, schlüssige, eindringlich formulierte Werk-Wiedergaben liefert und ein beredtes Zeugnis ablegt für seine souveräne Beherrschung der Orgel bis in die letzte Klangnuance.
Dabei weiß man wirklich nicht, was man mehr bewundern soll: seine stupende Manual- und Pedaltechnik, die keinerlei Schwierigkeiten mehr zu bereiten scheint, seine uneitle, nie zur Schau gestellte Brillanz, sein ausgepägtes Gestaltungsvermögen, das sowohl auf Ausgewogenheit und formale Rundung wie klanglichen Glanz bedacht ist, oder seine geistige Disziplin und Konzentration. Kraftvolle Intensität, logische Gliederungs- und Phrasierungskünste prägten eingangs ein motorisch packendes Bach-Werk: Präludium und Fuge in D (BWV 532), später ergänzt durch die liebevoll-bildhaft musizierte, dezent registrierte Triosonate Nr. 1 in Es-Dur (BWV 525). Dazwischen fügte sich Noël Nr. 10 des Pariser Organisten Louis-Claude Daquin (1694-1772) mit seiner Vielfalt an Registerfarben und der kindhaft-verspielten Fröhlichkeit am Weihnachtsgeschehen wunderbar ein, auch wenn einige Triolen-Figuren nicht ganz selbstbewusst daherkamen.
Ein weiteres Variationsstück, Dietrich Buxtehudes Choralfantasie über "Wie schön leuchtet der Morgenstern", mit eleganten, weich intonierten Umspielungen und herzhafter Triolen-Thematik beschloss den ersten Teil.
In zupackendem Temperament, nahezu monumental in der Ausformung der plastischen Gegenstände, erstanden nun die klug ausgewählten romantischen Beispiele, zunächst Mendelssohns viersätzige Sonate Nr. 1 in f-Moll (op. 65) aus dem Jahr 1844. Hier wie in "Es ist ein Ros' entsprungen" aus op. poath. 122 von Johannes Brahms fand das perlend-leichte Fingerspiel des Organisten zu einer geglückten Synthese von Vitalem und tief Empfundenen, von echter Leidenschaft und wohldosierter Sensibilität.
Eingebettet in diese deutschen Romantiker, die von Bach einfach nicht loskommen, entfaltet sich quasi als Gegenpol das besondere Flair der französischen Art in dem Choral Nr. 3 a-Moll von Cesar Franck: das freie Schwelgen in Harmonien, Farben, Rhythmen, Klängen, dynamischen Kontrasten, durch technische Hilfsmittel wie Schweller oder Walze noch veredelt. Fein ausgehört, zeichnete Felix Hell die flackernde Unruhe des ersten Teils, die dynamisch gesteigerten Imitationen und den hymnisch-verklärten Schlussteil nach: ein Bild von beglückendem Klangzauber.
Voller Spannung, majestätischer Größe, mitreißender Agogik, elegantester Virtuosität dann der Schlusspunkt: Franz Liszts Präludium und Fuge über B-A-C-H, ein wahres Feuerwerk organistischer Technik, entfacht durch den Impetus der Jugend und seine reife interpretatorische Gebärde.
Stehende Ovationen, packende Zugaben: das Finale aus der 1. Orgel-Symphonie von Louis Vierne und die Toccata aus der 5. Symphonie von Charles-Maria Widor. (mes)
aus : DIE RHEINPFALZ, Frankenthal, 11.01.2002 |
Virtuoses Feuerwerk ohnegleichenDer junge Organist Felix Hell in der Oranier-Gedächtniskirche |
Die Biebricher Kulturtage sind allemal für Überraschungen gut. So wurde das Konzert des erst 19-jährigen Organisten Felix Hell, der auf eine Wunderkind-Karriere zurückblicken kann, zum Ereignis. Der gebürtige Pfälzer lebt in den USA und bereist auf seinen Tourneen die Welt. Durch Video-Übertragung konnte man das Spiel visuell verfolgen, wobei man sich ein Bild von der virtuosen Technik des jungen Künstlers machen konnte.
Den Anfang bildet Bachs Es-Dur-Präludium und Fuge. Felix Hell nutzt die drei Manuale der Walcker-Orgel, artikuliert beispielhaft und schattiert vorzüglich. Wenn man Klang und Bild auf rechte Weise verknüpft, meint man das Notenbild vor sich zu sehen, so deutlich breitet Hell die musikalische Entwicklung vor dem Hörer aus. Im Choralvorspiel "Schmücke dich o liebe Seele" war die Melodie-Linie fein auf die schwingende Bewegung der Begleitung abgestimmt und erhielt so den Charakter einer Meditation. Spannend, ja fast heiter einherkommend D-Dur-Präludium und Fuge, virtuos, ohne die Virtuosität bewusst herauszustellen. Auf Bach folgte Mendelssohns 3. Sonate. Die an Bach geschulte Polyphonie wurde ebenso überzeugend herausgestellt wie die thematische Feinarbeit. So wirkte Mendelssohn als gut gewählter Übergang zu Liszts BACH-Präludium und Fuge. Das groß angelegte Opus ist voller Kontraste, zeigt Mannigfaltigkeit der Registrierung, aber auch Pomp und Theatralik. Kühne Modulationen bereichern den Klang und beeinflussen das Volumen. Ravel sprach von "großartigem Chaos" und meinte damit wohl Liszts romantische Ausdeutung des Bachstiles.
Nach der Pause Mozarts Fantasie f-Moll für eine Flötenuhr, ganz locker, fast klavieristisch geboten, mit einer kleinen Kadenz. Der lyrisch-verhaltene Mittelteil zeigt helle Flötentöne von zarter Konsistenz. Rheinbergers "Abendfriede" atmet konservative Gebundenheit, aber einen gewissen
Mangel an Ursprünglichkeit. Gern hätte man den hoch begabten Organisten mit einem modernen Werk gehört, etwa mit Olivier Messiaen, der den französischen Teil des Abends, der mit Guilmants 1. Sonate seinen Abschluss fand, ungemein bereichert hätte. Guilmant, einst berühmter Organist an der Pariser "Trinité", weiß koloristisch zu arbeiten und empfindet sinfonisch-konzertant. Stimmungen bilden die Grundlage. Es gibt zauberhafte Echo-Wirkungen, aber auch ein Gewitter aus Tönen.
Für den spontan heftigen Beifall bedankte sich Felix Hell mit einem Satz aus der 7. Symphonie von Charles Widor, einem virtuosen Feuerwerk ohnegleichen, dekorativ und farbenreich.
Ingrid Hermann
aus: Wiesbadenen Kurier vom 12.10.2004 |
EINSATZ UND HINGABEOrgelkonzert mit Felix Hell in der Kirche St. Michael in Maudach |
„Noels“ sind eine typisch französische Spezialität, fröhliche Weihnachtsmusiken für die Orgel, die von fast allen Komponisten des 18. Jahrhunderts zum Gebrauch in der weihnachtlichen Mitternachtsmesse geschrieben wurden. Auch beim weihnachtlichen Orgelkonzert in der Maudacher St. Michaelskirche, zu dem der rührige Kulturförderkreis den unvermindert sympathischen jungen Organisten Felix Hell als Zugnummer gewonnen hatte, zauberte eines der „Noels“ aus Louis-Claude Dacquins „Noveau Livre de Noels“ vorweihnacht liche Stimmung.
Hell glänzte bei seiner Wiedergabe mit einem exquisit brillanten Farbenspiel, brachte die nasalen Register kontrastierend mit Zungen und Flöten zum Singen, so dass jeder Teil zum Kabinettsstück eigener Art geriet.Herrlich das Klangerlebnis, wenn er in verspielter Clavecinisten- Manier Melodien und Umspielungen der lebendig sprühenden Variationen Schweben, funkeln und und zum Abschluss trompetend schmettern ließ.
Wie der dabei eingeschlagene Ansatz dann abfärbte, zeigte sich bei Dietrich Buxtehudes wesentlich früher entstandener Choralfantasie „Wie schön leucht’ und der Morgenstern“, wo der beileibe nicht mehr als Nachwuchshoffnung zu bezeich- nende Felix Hell mit den Farben der Solo-Register kokettierte und mit seinem überlegen servierten heiter-
leichten Tonfall weihnachtliche Vorfreude weckte.
Mit der Wiedergabe von Felix Mendelssohns vierter Orgel sonate (B-Dur, op. 65) ließ er all das aufblitzen, was ihn trotz seiner jungen Jahre zum beachtenswerten Künstler reifen ließ. Den Abstand zu rein romantisierender Sicht gewann er hier durch zügige Temponahmen, und durch differenzierten Einsatz subtiler Klangfarbwerte, am meisten durch seine das Gewicht und den Ernst dieser Musik spürbar betonende Lesart. Sein Spiel wird nicht mehr durchgehend von jugendlicher Unbekümmertheit mitbestimmt (Ausnahme die Zugabe, Bachs G-Dur Präludium und Fuge). Man erkennt durchaus die ihm innewohnende sinnliche Kraft, die in ebührendem Maß- wie im „Andante religioso“ – auch auf Ausdruck ohne aufgepfropftes Pathos setzt. Und alles geschieht bei ihm mit Einsatz und musikantischer Hingabe.
Musterbeispiel dafür waren die umrahmenden, Bach gewidmeten Teile seines Programms. Als Kleinode präsentierte er Bachs drei unterschiedliche Bearbeitungen des weihnachtlichen „Gelobet seist du Jesu Christ“. Klare Klangbilder, Frische des Zugriffs mündeten in bemerkenswert detaillierter Akzentuierung der Fuge „Vom Himmel hoch“. Nach dem weih- nachtlichen F-Dur Pastorale trat dann Bachs großes Es-Dur Präludium (BWV 552) aus dem Schatten des Vorausgegangenen. Durch Hells virtuosen Druck und Vitalität der Darstellung geriet sie in ihrer Dreiteiligkeit als Symbol der Drei- faltigkeit mitsamt der Fuge zum mitreißend krönenden Abschluss
Edgar Stadtler, in:
DIE RHEINPFALZ vom 24.12.2004 |
AN DER SPITZE DER SPIELERISCHEN MÖGLICHKEITENKonzertorganist Felix Hell in der Abteikirche Otterberg über jede Kritik erhaben |
Der erst 19-jährige Konzertorganist Felix Hell aus Frankenthal steht bereits da, wo andere nach jahrzehntelangem Pensum und Studien sich erst wähnen: an der Spitze spielerischer Ressourcen und interpretatorischer Möglichkeiten, die zu werk- und stilgerechten Aufführungen von bedeutenden Meisterwerken verschiedener Gattungen der konzertanten Orgelliteratur befähigen.
Das am Neujahrstag in der Abteikirche zu Otterberg vorgestellte Konzertprogram mit immerhin vier Gipfelwerken von Johann Sebastian Baxch (vor allem Präludium und Fuge G Dur oder Passcaglia c-moll), einer Orgelmesse von Francois Couperin und der Sonate Nr. 5 von Felix Mendelssohn- Bartholdy hätte mühelos zwei Konzerte ergeben. Felix Hell verfügt eben über ein hohes Potential an spieltechnischen Finessen, an fundierter Werkkenntnis, an Sicherheit und Souveränität sowie an Überzeugungskraft, beflügelt von internationalen Konzert- und Wettbewerbserfolgen sowie von Studien bei den namhaftesten Orgelprofessoren.
Die aufgeführten Präludien zeigen bei Hell die für das Barock so typische Spielfreude sequenzieller und unermüdlich kreisender Spielfiguren. Seine prägnante Fugengestaltung ist von seltener kristalliner Klarheit der Stimmenverläufe, der kontrapunktischen Verflechtung geprägt, und die Orgelmesse fand in den verschiedenen Sätzen eine eindringliche, klanglich sehr farbige Charakterisierung und Stilisierung.
Der Vortrag befand sich dabei stets im Einklang mit den Möglichkeiten der Orgel, war ganz auf die problematische Akustik der Kirche mit atmenden Zäsuren und verhaltenen Tempi angelegt. Bei Mendelssohn-Bartholdy spielte dieser begnadete Organist aus faszinierender innerer Ruhe,abgeklärt im positiven Sinn. Die Satzfolge entwickelte sich organisch fließend, Tempi und Artikulation waren überlegt aufeinander abgestimmt. Eine präzise Koordination zwischen rechter und linker Hand sowie Pedal garantierte bei allen Werken konzise musikalische Abläufe, die über jede Kritik erhaben waren.
Reiner Henn, in:
DIE RHEINPFALZ vom 4.1.2005 |
VOM SANFTEN STREICHELN BIS ZUM TOSENDEN STURMOrganist Felix Hell zeigt sich in der Frankenthaler Zwölf-Apostel-Kirche als großer Interpret |
Die Welt ist klein geworden. Zwischen Island und Korea, zwischen Australien und Europa ist er unterwegs. Mehr als 400 Konzerte hat er mit 19 Jahren schon gegeben, davon allein mehr als 250 in 39 Staaten der USA. Am Dienstag war der Frankenthaler Organist Felix Hell in der Zwölf-Apostel-Kirche. Im Rahmen der Konzertreihe "Faszination Orgelmusik" war er als gefeierter junger Virtuose in seiner Heimat zu Gast.
Das Gotteshaus war lange vor Beginn des Konzertes schon oben und unten beinahe voll besetzt. Die Erwartungen waren offensichtlich hoch gespannt. Und sie wurden weit übertroffen. Schon nach den ersten Takten des Einleitungsstückes Präluidium und Fuge G Dur war man sicher, einen Meister an den Manualen zu erleben. Die Leichtigkeit der Läufe im Präludium, die durchsichtig instrumentierte Fuge und die wunderschöne, jeweils anders gefärbte Themenaufnahme riefen sofort spontanen Beifall hervor.
Nach dem anschliessenden "Wachet auf" allerdings herrschte tiefe Stille im weiten Oval der Kirche. Felix Hell hatte die Chroalmelodie mit dem unvergleichlichen Baisthema so zart wie eine Musik aus der Ewigkeit gespielt. Das "Wachet auf" war kein Weckschrei, sondern ein zartes Streicheln, das zu einem besinnlichen Erwachen und Erkennen führt. Der Organist hatte die Seele der Zuhörer in der Tiefe angesprochen.
Ganz anders die 11 Variationen über ein Weihnachtslied aus dem 15. Jahrhundert (postredaktionelle Anm.: Marcel Dupre, op. 20). Interessant, dass diese Melodie in unseren Gesangbüchern als Kontrafaktur für die Passionszeit erscheint. In diesen Variationen, die teils schwierig zu hören sind, konnte Felix Hell seine breit angelegte Registrierkunst beweisen. Besonders frappierend waren die Klangfarben, die er (in Anlehnung an französische Orgeln) den Zuhörern anbot.
Louis Vierne, der von Geburt an blind war, schrieb im Vorfeld des Ersten Weltkrieges seine Musik. Eine Zeit, in der vieles auf politischem, aber auch kulturellem Gebiet in Bewegung geraten war. In rasender Geschwindigkeit durchläuft Europa den Weg von romantischen Tönen zu den abstrakten Formen bis hin zur Atonalität. Mit dem "Carillon de Westminster" bot Felix Hell den Zuhörern einen profunden Einblick in das musikalische Werk Viernes dieser Zeit. Vom schlichten Glockenton bis zum gewaltigen Sturm enrfesselte er die Tiefen des Instruments.
Mit Seth Bingham stellte er einen zeitgenössischen amerikanischen Komponisten vor, dessen fast clowneske Tonbewegungen frappierend und stellenweise beinahe wie ein Kinderlied, wie eine Panflöte oder wie ein bukolischer Tanz daherkamen. Eingebaute Grotesken schufen dazu einen aparten Gegensatz. Vor allem zu dem folgenden gewaltigen opus 46 von Max Reger, das ganz dem Namensthema B-A-C-H gewidmet ist. Seine vom Thema gepeitschte Fantasie führt die Zuhörer durch verschiedene Seelenlagen, bis es endlich in einer machtvollen Apotheose wie ein Schrei in der Nacht endet.
Zum Schluss: Widor's 5. Symphonie. Bei diesem Werk kann man sich nur ganz ins Miterleben fallen lassen. Felix Hell hatte es wohl bewusst an das Ende seines Konzertes gesetzt. Der stürmische, lang anhaltende herzliche Beifall am Ende bewies ihm, dass er in seiner Heimat viele Freunde hat, die wieder einmal erfahren haben, dass Hell zu den großen Interpreten zählt.
Wer das Konzert in der Zwölf-Apostel-Kirche versäumt hat, sei auf das nächste verwiesen: am Sonntag, 16. Januar, in der Trinity Episcopal Church in Portsmouth, Virginia, USA, 16 Uhr.
Karl-Heinz Pelzer, in:
DIE RHEINPFALZ vom 6.1.2005 |
Als der zwölfjährige Felix Hell auf einer Orgel in Oberbayern konzertierte, hörte ihn im Urlaub ein Kritiker der Heilbronner Stimme. Dessen begeistertes Urteil ermunterte einen Besucher der Eppinger Internationalen Orgelkonzerte, Hell dorthin zu empfehlen. Und jetzt kamen zu Hells zweitem Auftritt in der Eppinger Katholischen Stadtkirche sogar doppelt so viele Hörer.
Nun ist Hell 20-jährig und schon Bachelor sowie Hochschullehrer. Er bespielte sieben CDs, war über neun TV-Sender und weltweit in 450 Konzerten zu hören, davon über 300 in den USA, wo er seit 1999 lebt. Und er hat seinen eigenen Kopf. In Bachs Es-Dur-Präludium wechselt er, anders als die angeblich richtig spielenden Historisten, in den Fugato-Teilen den Klang und steigert den Schluss.
Auch Bachs Trinitätsfuge gliedert er dynamisch. Die Triller, die Bach nur beim Beginn des zweiten Fugenteils notierte, führt er sinngemäß bis zum Schluss des dritten Teils weiter. Doch Bachs Fähigkeit, Triller an schwierigen Stellen beizubehalten, bewunderten nachweislich dessen Zeitgenossen. So hat wohl Hell Recht, der auch im Pedal diese Triller so souverän bietet als wären es Paukenwirbel, was keine Unruhe, sondern Größe bewirkt.
In César Francks Choral a-Moll, einer Art Phantasie über Choralthemen, kam es dank der starken Auswirkung des Jalousieschwellers der Klais-Orgel zu apartem Piano im Sinne der französischen Tradition. Wie hier bewunderte man schon zuvor bei Bachs Choral „An Wasserflüssen…“ den opalisierenden Klang des Solozungenregisters.
Auch Widors fünfte fünfsätzige Orgelsinfonie meisterte Hell technisch souverän und in den ersten Sätzen oft eher dezent als dynamisch. Auf das stimmungsvolle Adagio folgte, sehnlichst erwartet, die rhythmisch gepfefferte, berühmte Toccata. Hell bot sie sehr rasch. Widors langsamere Metronomzahl bewirkt mehr Monumentalität und macht die Sechzehntelmotorik auf entfernten Plätzen erkennbarer.
„Sine nomine“ von Hells Lehrer John Weaver war dank jazzdurchwirkter Motorik ein rasanter Beschluss des außergewöhnlichen, mit viel Beifall gewürdigten Abends.
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Hell am Dienstagabend in Frankenthal so, wie er den ersten Zyklus beendet hatte: mir grandiosem Orgelspiel, das die Zuhörer in Kopfschütteln und atemberaubendes Staunen versetzte
Zeit seines Lebens hat sich Bach der Orgelmusik gewidmet. Zu den frühesten überlieferten Werken überhaupt gehören Choralpartiten, die noch ganz Bachs mittel- und nord-deutschen Lehrmeistern, insbesondere Georg Böhm, verpflich-tet sind. So auch die Partita über den Choral „Sei gegrüßet, Jesu gütig" (BWV 768), die aufgrund ihrer kompositorischen Reife eine Sonderstellung einnimmt. Bestehend aus Choral und elf Variationen entwickelt Bach im Verlauf des Werks vollkommen neuartige Satzmodelle bei obligater Verwendung des Orgelpedals. Bach und Pedal, was wäre das eine ohne das andere? Wie kein anderer trieb Bach es dabei auf die Spitze - im wahrsten Sinne des Wortes: Felix Hell agierte hoch konzentriert, wie man auf der Videoleinwand mitverfolgen konnte, und begeisterte gerade auch an den Pedalen mit einer exakten Artikulation.
Überhaupt gelang es Felix Hell, bei allen Stücken ein besonderes Augenmerk auf die Pedaltasten
zu lenken. Da tupfte er sie einmal sanft an, dann wieder, wie in dem Präludium in D-Dur
(BWV532) als Zugabe, wuselte er so flink über die vielen langen Holztasten, dass man sich
- ob Laie oder Organist - fragte: Wie macht er das bloß?
Jeder Stimme ihren eigenen Charakter zu schenken und trotzdem ein verbindendes Ganzes zu schaffen, das konnte Felix Hell auch mit der sechsten Triosonate (BWV530) gebührend unter Beweis stellen. In Ihrer strengen Triosetzweise (rechte Hand - linke Hand - Pedal) schließt sie sich den kammermusikalischen Werken der Köthener Zeit an. Formal ähneln diese Orgelsonaten dem dreisätzigen italienischen Concerto, stilistisch stehen sie jedoch ohne vergleichbare kompo- sitorische Vorbilder da und müssen als ureigenste Erfindung Bachs angesehen werden.
Neben dem bereits erwähnten Präludium in D zählen auch Toccata und Fuge in F (BWV 540) zu den Bachschen Bravourstücken. Die Toccata begann Felix Hell mit einem ausgedehnten linearen und schön ziselierten Manual-Kanon im beschwingten Dreiertakt über einem stolzen Orgelpunkt im Pedal: Die Ruhe vor dem Sturm. Es schiengerade so, als wollte Hell noch ein wenig Kraft tanken, um dann aber so richtig loszulegen und mitzumischen. Der motorische Anfangsrhythmus (nein, kein Nähmaschinenbarock), die sequenzierten Passagen und die prickelnden Abwärtsfolgen, die sich wie ein Textmarker leuchtend durch die Toccata zogen, all das hatte zur Folge, dass einigen Zuhörern an der Schnittstelle von Toccata und inniglicher Fuge der Gaul durchging und sie ein begeistertes Klatschen nicht unterdrücken konnten. Äußerst störend für die aufgebaute Atmosphä- re, doch zugleich großes Lob an den Künstler: Er spielt einfach zu gut. Auf zum nächsten Konzert!
Dorothea Krehbiel, in:
DIE RHEINPFALZ vom 22. März 2007 |
Die Bilder aus den vergangenen Jahren gleichen sich doch sehr. Das erstaunte und ungläubige Kopfschütteln, wenn der junge Mann an der Orgel so richtig loslegt, das begeisterte Publikum, das geschlossen von den Sitzen aufspringt, wenn der letzte Ton verklungen ist, und das strahlende Lachen von Felix Hell, wenn er in die Mitte des Altarraums geht, um die Begeisterungsstürme entgegen zu nehmen. Sogar die nette Oma war am Sonntag wieder in der Johanneskirche, die dem jungen Virtuosen nach jedem Konzert eine Tafel Schokolade schenkt, seit er mit 13 Jahren zum ersten Mal beim Iserlohner Orgelsommer auftrat.
Dabei hat sich, abgesehen von diesen Begleiterscheinungen, eine Menge getan, denn Felix Hell ist nicht nur acht Jahre älter geworden, sondern er ist auch als Künstler und als Interpret ungemein gereift. Immer wieder hat er sich am Sonntag in freier und lockerer Rede an sein Publikum gewendet, um Hinweise zu den Werken zu geben. Nicht nur daran konnte man spüren, dass er mittlerweile mehr als 450 Solokonzerte auf dem Buckel hat.
Auch die Dramaturgie des Konzertes ließ auf große Erfahrung schliessen: Mit Bachs Präludium und Fuge in E (BWV 566), Mendelssohns erster Orgelsonate, Regers Variationen und Fuge über „Heil dir im Siegerkranz“ und Guilmants erster Orgelsonate hatte er vier Meilensteine der Orgelsmusik aus verschiedenen Epochen gewählt, die er jeweils mit einer ruhigen Choralbearbeitung von Bach
unterbrach, um das Publikum wie mir einem Stückchen Brot zwischen den Gängen wieder zu beruhigen.
Vor allem ist es aber sein überaus engagiertes Spiel, das klar und feurig-virtuos zugleich de gereiften Musiker verriet. Mal vergrub er sich tief bewegt in die wuchtigen Akkorde von Mendelssohn, mal tänzelte er auf seiner Orgelbank zu dem zackigen Stimmgeflecht Bachs und mal bebte er vor den brachialen Stellen bei Reger und Guilmant. Und immer riss er sein Publikum mit, das erst Ruhe gab, als Hell zur zweiten Zugabe das wohl berühmteste Orgelstück der Musikgeschichte – Bachs Toccata und Fuge d-moll – zum Besten gab.
Für die Konzertreihe zum 20. Geburtstag des Iserlohner Orgelsommers im nächsten Jahr hat Felix Hell bereits zugesagt. Neben einem erneuten Solokonzert wird es dann auch ein Gesprächskonzert für Schulklassen geben, in dem sich der angehende Orgel-Professor von einer ganz anderen, pädagogischen Seite zeigen wird.
Ralf Tittmann, in:
ISERLOHNER KREISANZEIGER vom 6.9.2006 |
Ins Licht gesetztFelix Hell |
eleuchtet von Ralf Tiemann (Text) und Michael May (Foto)
Die Blockflötenspieler der Stadt dürfen jetzt bitte nicht beleidigt sein. Aber ihr Instrument war es nicht, das das musikalische Talent von Felix Hell zu Tage gefördert hat. Als er mit sechs Jahren in der Grundschule Blockflöte lernte, war seine Begeisterung nur sehr mäßig, und niemand ahnte damals, was in dem kleinen Kerl alles steckt.
Die Initialzündung folgte ein Jahr später, Weihnachten 1992. Felix war sieben Jahre alt, und sein Vater, der für den Hausgebrauch ein wenig Klavier spielte, brachte unter dem Tannenbaum unter anderem Bachs berühmtes C-Dur-Präludium zu Gehör. Felix war fasziniert und wollte in seiner kindlichen Neugier wissen, wie das funktioniert. "Dazu musst du erstmal Noten lernen, dann musst du Klavier-Unterricht nehmen und nach ein paar Jahren kannst du dann auch Bach spielen", sagte sein Vater. Als Felix nicht locker ließ, setzte er sich zusammen mit seinem Sohn ans Klavier, um ihm zu zeigen, dass das alles nicht so einfach ist, wie sich der kleine Mann das dachte. Doch weit gefehlt. Vom bloßen abschauen hatte Felix das Präludium bald drauf, nicht nur die ersten Takte, sondern komplett und in einem Affenzahn.
Das war schon ein kleines Problem", erinnert sich der Vater. Gestern war er zusammen mit seinem Sohn, dem inzwischen weltweit gefeierten Orgelvirtuosen Felix Hell, zu Gast im Wichehovenhaus. Und ein wenig von der Aufregung, die damals durch das Haus schwappte, war auch beim gestrigen Gespräch noch zu spüren. Nach dieser Weihnacht war jedenfalls nichts mehr, wie es vorher war: Der Junge ging nicht zur erstbesten Klavierlehrerin im pfälzischen Heimatstädtchen Frankenthal, sondern geriet direkt unter die Fittiche des renommierten Klavierprofessors Siegbert Panzer in Mannheim. "Ein absoluter Glücksfall für mich", urteilt Felix Hell noch heute und bezeichnet Panzer als seinen einflussreichsten Lehrer überhaupt.
Ein halbes Jahr später nahm er zusätzlich Orgelunterricht, und wieder ein halbes Jahr später räumte er erste Preise am Klavier und an der Orgel bei "Jugend musiziert" ab und gab zusammen mit dem Dom-Organisten von Speyer sein erstes Konzert im russischen Saratow - mit neun Jahren. Das Publikum stand Kopf - kein Wunder, denn ein kleiner Junge der von einer riesigen Orgel Bachs berühmte Toccatta in D-Moll in die Kirche dröhnen lässt, ist schon ein ganz besonderes Phänomen.
Von da ab galt er als Wunderkind, was Felix Hell selbst aber nie so empfunden hat, und was ihn auch immer sehr genervt hat. Mit einem dressierten Zirkuspferd wollte er nichts zu tun haben. Das eigentliche Wunder sei nicht das Resultat, sondern der Weg gewesen, sagt er. Der absolute Wille, etwas wirklich zu schaffen, und etwas mit Leib und Seele durchzuziehen, die Bereitschaft für ein bestimmtes Ziel mit aller Leidenschaft zu arbeiten. "Diesen ersten Schritt trauen sich viele junge Leute nicht. Wenn sie das täten, könnte jeder auf seinem Gebiet ein Wunderkind sein."
Felix Hell hatte diese Bereitschaft und dieses Feuer, er hatte die mentale Stärke, Rückschläge wegzustecken und er hatte die Leidensfähigkeit, für seine immer höheren Ziele auch Opfer in Kauf zu nehmen. Denn mit den Kumpels Fußball zu spielen, war da nicht immer drin. Doch es hat sich ausgezahlt. In zwei Wochen wird er 21, er gibt weltweit rund 50 Konzerte im Jahr, lebt und studiert in Baltimore, wo er vorraussichtlich in einem Jahr seine Studien mit dem Master of Music samt Promotion und dem Artist Diploma in der Virtuosenklasse abschließen wird, und er gehört schon jetzt zu den Top-Ten-Virtuosen der USA.
Es ist unmöglich, alle Stationen seiner steilen Karriere aufzuzählen. Meilensteine waren aber die Jahre 1999, als er an die Juilliard-School ging und mit gerade mal 13 Jahren alleine nach New York übersiedelte, und 2001, als er am Curtis Institut of Music in Philadelphia aufgenommen wurde. An solchen Elite-Schulen angenommen zu werden und sich gegen Hunderte von hochtalentierten Mitbewerben durchzusetzen, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit - auch nicht für ein sogenanntes Wunderkind. "Zehn Prozent waren Wunder, 90 Prozent harte Arbeit."
Was sich wie ein einziger Siegeszug liest, war aber auch im Falle Felix Hell mit Krisen verbunden. "Ich habe mich oft gefragt, was mache ich hier überhaupt und lohnt sich das alles?" Als begeisterter Bergsteiger, der die Eiger-Nordwand schon fest im Visier hat, vergleicht er sein Leben als eine Reihe von Gipfeln und Tälern.
Seine musikalische Eiger-Nordwand hat er jetzt gerade vor der Brust: Das komplette Orgelwerk Bachs wird er ab September aufführen. Mal als Zyklus über mehrer Monate verteilt, im Falle von Baltimore aber in zehn Konzerten an einem Wochenende: 20 Stunden Musik an vier Tagen. "Die Vorbereitung kostet mich derzeit unheimlich viel Kraft." Für seine Fans ist so ein Event aber wie eine Reise nach Mekka.
Dass Felix Hell in der Tat einen großen Fan-Kreis hat, der ihm rund um die Welt nachreist und im Internet über ihn fachsimpelt, liegt nicht nur an seinem brillanten Spiel. Es sind seine offene Art und sein modernes Selbstverständnis als Interpret, das ihn zum Aushängeschild und Hoffnungsträger der internationalen Orgelszene macht. "Viel zu viele Organisten vergraben sich hinter ihrer eigenen Orgel", sagt er. Er will zusammen mit dem Publikum arbeiten und sucht nach jedem Konzert den Kontakt. Er will etwas für die Musik und sein Instrument tun und die Menschen erreichen und begeistern. "Wir müssen im wahrsten Sinne des Wortes von unserer Orgelempore herunterkommen."
In der Johanneskirche am Nußberg, wo er morgen zum inzwischen neunten Mal beim Iserlohner Orgelsommer auftritt, sitzt er ohnehin auf Augenhöhe mit dem Publikum neben dem Altarraum. Und keine Angst: Ansprechen ist nach dem Konzert erlaubt und erwünscht. "Ich bin mit dem Iserlohner Orgelsommer groß geworden", sagt er. Und das ist durchaus auch ein schönes Kompliment an das hiesige Publikum.
Ralf Tiemann in:
ISERLOHNER KREISANZEIGER vom 02. September 2006
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Überaus elegant und fast zärtlichDer Organist Felix Hell fesselte sein Publikum in der Evangelischen Kirche Fürth – Spielfreude vermittelt |
FÜRTH. Dem Status des Wunderkindes ist er längst entwachsen, aus dem 22 Jahre alte Organisten Felix Hell ist ein reifer Künstler geworden, der das Publikum bewegt und fesselt. Das war am Sonntag Abend in der voll besetzten Evangelischen Kirche Fürth zu erleben, wo der aus Frankenthal/Pfalz stammende Organist ein hochbegeistertes Publikum fand.
Pfarrer Andreas Kleeberg stimmte auf das Konzert ein, gab einen Abriss auf die erstaunliche Karriere von Hell. Mit acht Jahren spielte er seinen ersten Gottesdienst, ein katholisches Osterhochamt. Als Zehnjähriger legte er die Prüfung zum Kirchenmusiker D-Prüfung ab, mit zwölf wurde Felix Hell Jungstudent an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg. 1999 ging er in die USA, wo er zunächst an der Juilliard School in New York und anschließend am Curtis Institut of Music in Philadelphia mit Vollstipendium studierte. Dort schloss er 2004 mit Konzertexamen und Baccalaureat ab. Seit September 2004 studiert Felix Hell in der Virtuosenklasse des Peabody Institutes der Johns Hopkins Universität, Baltimore, mit dem Ziel des Master of Music.
Der junge Organist ist ein Virtuose, der das Publikum an seiner Spielfreude gerne teilhaben lässt. Drum sorgte er dafür, dass sein Spiel auf eine Videoleinwand vor dem Altar übertragen wurde. Drei Viertel der Leinwandfläche füllte sein Spiel auf den beiden Manualen der Weigle-Orgel aus, eine zweite Kamera war auf das Spiel der Füße am Pedal ausgerichtet, und dies blieb im unteren Viertel der Leinwand immer im Blick. Und dass er im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände und Füße voll zu tun hatte, konnte man somit hautnah erleben.
Nicht nur, dass er sehr anspruchsvolle Werke spielte, er registrierte auch noch während dem Spiel, zog hie und da ein oder mehrere Register, wann immer er eine Hand frei hatte. Mit der größten Selbstverständlichkeit und Eleganz geschah dies, ebenso, wie es nur echte Virtuosen pflegen. Bach machte den Anfang in seinem Programm. Wie sehr gesanglich Felix Hell selbst die Pedalstimme gestaltet, das wurde deutlich in den lyrischen Teilen der Fantasie und Fuge g-moll: überaus elegant und fast zärtlich ließ er dabei die Füße über das Pedal gleiten. Und in der Fuge ließ er die Füße regelrecht tanzen, brachte großen Schwung ins Spiel. Sehr viel Leben, tänzerische Beschwingtheit und lustvolle Pointiertheit gewann dieses Spiel, führte den Organisten dabei in einen regelrechten Sog hinein.
Lodernde Impulse gab Hell seiner Bach-Interpretation durch das federnde Nonlegato, womit er die Läufe aufwirbelt. Das war auch so in Präludium und Fuge D-Dur, dessen französischen Elemente, den scharf punktierten Rhythmen und spielerischen Virtuosität er enorm zugespitzte und mitreißende Wirkung verlieh. Ein quirlig gewitztes Vergnügen machte der Organist aus der Fuge, die er in rasantem Tempo und lustvoll verspieltem Drive musizierte.
Die Fuge wurde zu einem Heidenspaß, hochvital und hedonistisch. In jedem Falle ließ Felix Hell an diesem Abend jederzeit klar werden, dass die deutsche Orgelmusik keineswegs so steif und ernst gespielt werden muss, wie dies gemeinhin geschieht.
Ein starkes improvisatorisches Moment, Spaß und Lust bestimmte sein Spiel. Und er bedankte sich auch bei seinem Publikum dafür, dass dieses so enthusiastisch sei wie er selber beim Spiel. Zudem zeigte er sich auch sehr angetan davon, dass etliche junge Leute ins Konzert kamen, was bei Klassik sonst nicht so häufig der Fall sei. Auch ein Bachsches Choralvorspiel fand Eingang ins Programm: „O Mensch, bewein dein Sünde groß“: wunderbar weich glitt dabei ein Ton in den nächsten, sang jede Stimme.
Wenn man Felix Hell zusieht, merkt man schnell, dass das Musizieren eine sehr sinnliche Sache für ihn ist, wenn er bald zärtlich, bald überaus lustvoll vital die Phrasen formt. Alles geschieht äußerst leicht und animiert. So gewann auch Johann Pachelbels Choralpartita „Christus, der ist mein Leben“ schönste Lebendigkeit mit herrlich elastisch gestaltetem Tempo, vergnüglichen Beschleunigungen. Still und beseelt ertönte Josef Rheinbergers „Abendfriede“. Große Expression brachte Hell in Mendelssohns 1. Orgel-Sonate, mit höchst spannend gestalteten Wechseln zwischen Drängen und Fließenlassen. Faszinierende Klang- und Farbenwechsel hörte man im dritten Satz, gefolgt von einem hochvirtuos rauschenden Finale.
Zum Abschluss noch ein großes Virtuosenstück: Franz Liszts Präludium und Fuge über „B-A-C-H“. Überaus packend gestaltete er den erregenden Furor mit lodernden Läufen und feurigen Akkordballungen. Und dabei konnte er einem schon schwindelig spielen. Groß war die Begeisterung des Publikums, das stehenden Beifall spendete und zwei Zugaben gewährt bekam: eine höchst vergnüglich im Ragtime-Stil musizierte Improvisation, sowie die „Toccata“ aus Widors 5. Orgelsymphonie.
Rainer Koehl in
STARKENBURGER ECHO vom 11. September 2007
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Ausnahmetalent mit fesselnder ReifeDer 22 Jahre alte Nachwuchsorganist Felix Hell brillierte in der Michaelskirche |
Bensheim. Bei den Bensheimer Orgelwochen hat in den acht Jahren ihres
Bestehens wohl noch kein junger Organist so spektakulär auf sich
aufmerksam gemacht wie der 22-jährige Felix Hell. Schon die für ein
Orgelkonzert ungewöhnlich große Publikumsresonanz in der
Michaelskirche zeigte deutlich, daß der gebürtige Frankenthaler
derzeit einer der ganz wenigen Konzertorganisten mit echtem
Starpotential ist.
Der üppige Lebenslauf des mit acht Jahren zur Orgel gekommenen und
bereits seit 1999 erfolgreich in den USA studierenden Ausnahmetalents
verzeichnet die schier unglaubliche Zahl von weltweit über 500
Solokonzerten - darunter eine sowohl in Deutschland als auch seiner
amerikanischen Wahlheimat präsentierte Aufführung aller Bachschen
Orgelwerke.
Gerade diese Leistung dürfte für einen Organisten seines Alters
einzigartig sein. Wie phänomenal der junge Musiker durch sein
enzyklopädisches Unternehmen als Virtuose und Interpret gereift ist,
konnte man im ersten Konzertteil anhand dreier besonders treffend
ausgewählter Bach-Stücke erfahren. Schon in Präludium und Fuge e-moll
BWV 548 - einem der anspruchsvollsten Orgelwerke des Komponisten -
ließ Felix Hell jene faszinierende Mischung aus Spieltemperament und
Formintelligenz hören, die ihm unter den Organisten seiner
Altersklasse in der Tat eine Sonderstellung sichert.
Bei vorbildlicher Präzision und Prägnanz in Artikulation wie
Phrasierung herrschte hier immer der Eindruck überwältigender
Spontaneität und Energie - mit entsprechender Sogwirkung vor allem in
der höchst (be)zwingend entwickelten beziehungsweise gesteigerten
Fuge. Fast noch entfesselter erlebte man Hells virtuose und expressive
Qualitäten im D-dur-Werkpaar BWV 532, dessen überschäumend heitere
Fuge nicht zuletzt als Demonstration wahrhaft leichtfüßigen
Pedalspiels begeisterte.
Mit Felix Mendelssohns B-dur-Sonate opus 65/4 servierte Felix Hell
danach ein Glanzstück deutscher Orgelromantik in Bachscher Tradition:
wunderbar klar und kraftvoll in den kontrapunktisch verdichteten
Ecksätzen, unsentimental verinnerlicht in den beiden
liedhaft-lyrischen Binnensätzen mit ihrem eigentümlich zarten
Intermezzo-Charakter. Dieser ebenso emphatischen wie eleganten
Mendelssohn-Wiedergabe folgte mit Marcel Duprés Präludium und Fuge
g-moll opus 7/3 (1912) ein feiner kleiner Ausflug ins französische
Repertoire, bei dem der heute in Baltimore studierende Organist sein
gleichfalls stupendes Gespür für delikates Klangkolorit à la française
unterstreichen konnte.
Josef Gabriel Rheinbergers idyllische Miniatur "Abendfriede" (aus den
Stücken opus 156) leitete dann über zum in jeder Hinsicht
konzertkrönenden Liszt-Klassiker "Präludium und Fuge über B-A-C-H"
(1855/70), der den offenbar keinerlei spieltechnische oder
künstlerische Grenzen kennenden Felix Hell nochmals in seiner ganzen
umwerfenden Vitalität und Bravour erlebbar machte. Mehr konzertantes
Vergnügen als bei diesem burschikosen Anfangzwanziger scheint auf der
"Königin der Instrumente" kaum möglich.
Für die verdienten Ovationen bedankte sich Hell mit dem rauschenden
Finale aus Louis Viernes erster Orgelsinfonie d-moll opus 14 und Bachs
berühmter d-moll-Toccata BWV 565, die selten leidenschaftlicher
daherkam als an diesem erinnernswerten Bensheimer Konzertabend.
Klaus Roß in:
BERGSTRÄSSER ANZEIGER vom 15. September 2007 |
Virtuosenstreiche und KlanggewitterOrganist Felix Hell spielt in der Evangelischen Kirche Zeiskam Werke von Bach, Buxtehude, Mendelssohn, Rheinberger und Liszt |
Der Besuch des jungen Himmelstürmers: Felix Hell, vor 23 Jahren in Frankenthal geboren, zählt zu den ganz überragenden musikalischen Frühbegabungen. Das frühere orgelspielende Wunderkind konzertiert heute - von Publikum und Kritik überschwänglich gefeiert - auf vier Kontinenten. Als „zweifellos eines der größten Talente des Jahrhunderts" hat ihn der Präsident des Amerikanischen Organistenverbands bezeichnet. In der Evangelischen Kirche Zeiskam machte Felix Hell jetzt Furore mit Bach, Buxtehude, Mendelssohn, Rheinberger und Liszt.
Was dabei zuerst beeindruckte, war der außergewöhnlich ausgeprägte Sinn des jungen Künstlers für musikalische Architektur. Mit absolut unbestechlicher Klarheit der Linienführung exponierte Hell im ersten, barocken Teil seines Zeiskamer Programms die mehrstimmigen Konstruktionen von Bachs Präludium und Fuge in Es-Dur (BWV 552), „An Wasserflüssen Babylon" (BWV 653), seiner Triosonate Nr. 1 (Es-Dur, BWV 525) und von Buxtehudes Präludium, Fuge und Chaconne in C-Dur (BuxWV 137). Andererseits präsentierte er auf eindringlichste Weise den formalen Ablauf, wenn man will, die Dramaturgie der Werke mit ihren groß angelegten Steigerungen. Jedenfalls wurden diesmal die kompositorischen Vorgänge durchweg zwingend deutlich freigelegt.
Was auch - die Erinnerung drängt sich in diesem Zusammenhang auf - in höchstem Maß für das Schlussstück des Abends, Liszts Präludium und Fuge über B-A-C-H, galt. Die Wiedergabe der Komposition aufgrund des aus den Tonbuchstaben des Namens Bach bestehenden Hauptmotivs war von schier überwältigender Wirkung. Sie zog den Hörer unwiderstehlich in ihren Bann durch ihren monumentalen Bogen, ihre Tonpracht und gewaltigen Höhepunkte, durch die Kraft des Ausdrucks und ihren Facettenreichtum.
Hinzu kam freilich Hells mehr als imponierendes spielerisches Potenzial. Er ist ein souveräner Virtuose in großem Stil, der alles (und wahrscheinlich sogar etwas mehr) beherrscht, was auf der Orgel möglich ist und demonstrierte es mit Nachdruck bei den Lisztschen Klanggewittern und stellenweise eigentlich schon zuvor bei Bach, Buxtehude und Mendelssohns zweiter Orgelsonate (op. 65).
Dank der differenzierten Gestaltungsweise des Organisten gab es immer wieder Momente delikater, intimer Schönheit, besonders in „Abendfriede" aus Joseph Gabriel Rheinberges op. 156. Und nicht zu vergessen ist schließlich die abwechslungsreiche, weit gefächerte Farbenskala von Hells Spiel, mit fein ausgehörten Tonnuancen, etwa bei Mendelssohn.
Begeisterter Beifall am Ende des Konzerts und eine exquisite Bach-Zugabe.
Gabor Halasz in:
DIE RHEINPFALZ
Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße
vom 11. Mai 2009
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Im Rausch der Klänge und FarbenFelix Hell gibt umjubeltes Konzert im Speyerer Dom |
Einen Glanzpunkt in der Benefizkonzert-Reihe im Speyerer Dom setzte am Sonntagabend der Organist Felix Hell. Mit seinem Programm unter dem selbst gewählten Motto „Soli Deo Gloria" (Gott allein zur Ehre) und Werken von Bach, Francois Couperin, Mendelssohn, Mozart und Louis Vierne wies der 23-Jährige sich als Meister seines Instruments aus.
Der derzeit in Baltimore (USA) lebende, allseits gefeierte Senkrechtstarter Felix Hell beherrscht überlegen alles, was auf der Orgel möglich ist. Gleich das erste Stück in Hells Vortragsfolge, Bachs Präludium und Fuge in D-Dur (BWV 532), stand im Zeichen brillanter Virtuosität.
Der weitere Verlauf des Konzerts bestätigte die ersten Eindrücke. Mit souveränem, großem Gestus gestaltete der gebürtige Frankenthaler grandiose Klanggemälde, setzte unverwechselbare, eminent musikalische Akzente, um schließlich sein - offizielles - Programm extrem wirkungsvoll zu beenden. Das spektakuläre Schlussstück, das Finale der ersten Orgelsinfonie des französischen Orgel-Großmeisters Louis Vierne, wurde zum rauschenden Fest der opulenten Klänge und irisierenden Farben. Da wurden - im wortwörtlichen und im übertragenen Sinne -
alle Register gezogen.
Apropos sinnesfrohe Klanglichkeit: Die Wiedergabe sechs höchst kunstvoll konzipierter Sätze aus der Messe für die
Kloster der Mönche und Nonnen des Barockmeisters Francois Couperin offenbarte mit feinen Nuancen den ganzen raffinierten Tonzauber des französischen Orgelstils.
Hells Vortrag blieb also durch verfeinerten Farbsinn geprägt, stand zudem aber auch stets im Zeichen zwingender Klarheit der formalen Abläufe. Bei durchweg gezielter Linienführung legte der junge Organist das mehrstimmige Satzgefüge der Stücke mit Nachdruck frei: Die kompositorische Architektur erstand höchst prägnant in seiner Aufführung.
Nicht zu vergessen die feinen Ausdrucksfacetten, die Hells Wiedergaben immer wieder prägten. So blieben die beseelten, entrückten Klänge des zweiten Satzes, „Andante religioso", von Mendelssohns vierter Orgelsonate (B-Dur, op. 65) und die leichten, eleganten Töne des darauf folgenden Allegretto-Satzes im Gedächtnis haften. Erfüllte Momente erlesener sanglich melodischer Schönheit gab es auch im Mittelteil von Mozarts f-Moll-Fantasie (KV 608).
Für den begeisterten Beifall, den er mit einer unmissverständlichen Geste gleich an die Seifert-Orgel weitergeleitet hatte, bedankte sich Hell mit einer eindrucksvollen Zugabe: zwei Sätzen aus Charles Marie Widors fünfter Orgelsinfonie.
Gabor Halasz in:
DIE RHEINPFALZ
Speyerer Rundschau
vom 12. Mai 2009
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Wenn der Organist sein Instrument zum Schwärmen bringtOrgelkonzert von Felix Hell in der Speyerer Christuskirche |
Könnte die Rundorgel der Christuskirche Speyer-Nord reden, hätte sie sicher ein ganz besonderes Erlebnis mitzuteilen: dass mit dem 24-jährigen Organisten Felix Hell ein ganz besonders brillanter Musiker sie spielte. Hell mobilisierte in seinem zweistündigen Konzert am Sonntagabend alles, was den Orgelfreund begeistert: Strahlkraft, Virtuosität, dichte Expression und mitreißender Zugriff.
Hells Ausdrucksdichte, seine manuellen Fertigkeiten, seine kraftvolle Akzentuierung und sein schnelles Einbringen expressiver Phrasierungen – das alles ist schon beängstigend grandios. Der Frankenthaler konnte es sich leisten, sein Programm fast nur aus Großwerken zusammenzusetzen. Dabei reichte seine stilistische Spannweite von Buxtehudes Frühbarock bis zu Rheinbergers Spätromantik.
Felix Hell kann sich bis auf den Punkt mit seinem Buxtehude, seinem Bach, Mozart, Mendelssohn und Liszt identifizieren. Er zeigte sich wieder als temperamentvoller Spieler, dessen Haarschopf mit der Musik wippt – ein Künstler, der stets Ausdruck, Akzentuierung und Steigerung sucht und sich nicht mit dem Ausmalen geschmäcklerischer Klangbilder begnügt.
Gleich anfangs folgte der Pfälzer den formalen Anschnitten von Buxtehudes Präludium, Fuge und Chaconne C-Dur nicht nur im Klangaufriss der mitunter etwas kantig ansprechenden Rundorgel, sondern auch in Akzentuierung und Phrasierung. Buxtehudes und später Bachs klangliche Füllhörner machte Hell in drängender musikalischer Dichte auf. Bei Bachs Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564 und Präludium und Fuge D-Dur BWV 532 verblüfften hochvirtuose Pedalsoli ebenso wie atemlos dicht gesetzte Sequenzen. Zurücklehnen konnte sich da niemand.
Auch in Mendelssohns sechster Orgelsonate „Vater unser im Himmelreich“ fand Hell bei aller Registrierpoesie und über den gegentaktig akzentuierten Choralvarianten die zyklische Einheit. Beredt trug er den abschließenden, langsam wiegenden Abschnitt vor. Ähnlich spielte er im zweiten Teil Rheinbergers „Abendfriede“ in feinsinnig melodischer Ruhe.
Mozarts im späten, geistlich-polyphonen Stil geschriebene f-Moll-Fantasie KV 608 riss Hell in federnder Rhythmik und mixturenscharfem Klangbild auf, womit er der Orgelfantasie
Jupitersinfonie-Format vermittelte. Als Krönung des Konzerts bleibt Liszts B-A-C-H Präludium und Fuge zu würdigen. Felix Hell mobilisierte hier alles, was den Orgelvirtuosen ausmacht: strahlende Opulenz, explosive Skalen, breite Pedalgesten, schwirrende Diskantgespinste und oszillierende Bass-Triller.
Kurt Witterstätter in:
DIE RHEINPFALZ
Speyerer Rundschau
vom 16. Juni 2009 |
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